Etwas, worüber ich gerade nachdenke, ist der Unterschied zwischen dem Körpergefühl von innen und dem Bild, das wir von unserem Körper im Kopf tragen. Also zwischen der Frage: Wie fühlt sich mein Körper wirklich an? Und der anderen: Wie denke ich, sollte mein Körper aussehen?
Das sind zwei völlig unterschiedliche Ebenen.
Von innen können wir uns stark, vital, sinnlich, gesund, dynamisch und beweglich fühlen. Und gleichzeitig tragen wir vielleicht ein Idealbild in uns – wie unser Körper früher aussah, wie er „sein sollte“, wie eine Frau laut Gesellschaft aussehen müsste.
Ich beobachte bei mir selbst – und auch bei Freundinnen – dass wir diese beiden Ebenen ständig vermischen.
Natürlich können sie zusammenhängen. Wenn wir uns fit und kräftig fühlen, erscheint uns unser Körper vielleicht auch attraktiver. Aber es muss nicht so sein.
Es gibt Lebensphasen, in denen wir müde sind, nicht so leistungsfähig. Vielleicht haben wir gerade ein Baby bekommen, sind krank, gehen durch stressige Phasen, haben Kinder zu Hause, stecken in einer Hormonbehandlung oder im Kinderwunschprozess. Und vielleicht ist das gerade nicht die Zeit für Diäten, Fasten, Gewichte stemmen oder Selbstoptimierung.
Vielleicht ist es eine Zeit für Trost. Für Weichheit. Für Mitgefühl.
Und das bedeutet nicht, dass wir kein positives Körpergefühl haben können.
Was, wenn wir uns liebevoll begegnen? Was, wenn wir Mitgefühl für die Gründe haben, warum unser Körper gerade so aussieht, wie er aussieht? Vielleicht, weil wir nicht hart mit uns sind. Weil wir uns nicht permanent pushen. Weil wir uns nicht mit Disziplin strangulieren.
Vielleicht zeigt sich unsere Sanftheit auch im Körper. Und vielleicht ist das okay.
Ich glaube, es ist wichtig, dass wir uns fragen: Wer misst eigentlich gerade, wie ich mich fühle? Ist es mein innerer Kritiker? Meine innere Antreiberin? Die äußeren Bilder, die ich verinnerlicht habe? Die Filter, durch die ich mich selbst betrachte? Oder ist es wirklich mein inneres Empfinden?
Denn es ist möglich, sich gut zu fühlen – und trotzdem nicht dem idealisierten Körperbild zu entsprechen. Und vielleicht ist genau das eine neue Form von Freiheit.
Es ist jedenfalls eine Praxis, die inneren Stimmen unterscheiden zu lernen und liebevoll auf sich selbst und den eigenen Körper zu schauen – mit all dem, was er leistet. Egal wie er aussieht.
Ich übe das auch. Jeden Tag.
